Sonnenbrille als Accessoires

Viele Brillengestelle sind vielfarbig und auch die Kunststoffgläser können von grün bis rot oder blau changieren. Das Modehaus Christian Dior war eines der ersten, das monströse Brillen in dieser Art lancierte. Sie nahmen sich jedoch noch bescheiden aus gegen die weißen Mondmädchenbrillen von André Courrèges, die das Licht nur durch einen schmalen Sehschlitz passieren ließen. Kein führendes Pariser Modehaus, das nicht begann, Sonnenbrillen zu entwerfen.

Sonnenbrillen erfüllen oft weniger die Schutzfunktionen vor UV-Strahlen, als sie das Ego vor Einblicken Fremder schützen sollen. Gealterte Filmstars nutzen Sonnenbrillen zur Mystifikation und journalistisch verfolgte High-Society-Damen als Verfolgungsschutz. Als Mittel des „auffälligen Unerkannt-Bleibens“ ist die Sonnenbrille eine zeitgemäße Form der Maske des 16. Jahrhunderts und des Fächers des 18. Jahrhunderts. Die undurchsichtige Brille macht interessant, lässt das Gegenüber im Zweifel und steigert damit dessen Neugier. Vollends verbirgt die Spiegelbrille die „Fenster zur Seele“, die Augen; wohl angenehm für den Träger, aber eine Zumutung für das Gegenüber, wird sie im Gespräch aufbehalten.

Zum Glück kommt sie meist nur in sportlichen Bereichen zum Tragen.
In den 1970er Jahren wurde es Mode, die Sonnenbrille als Accessoire auf den Kopf zu klemmen, gleichsam zum Zurückhalten der Haare, oder sie aufmerksamkeitserregend mit einem Bügel in das Dekolleté zu hängen. (Man hätte eigentlich eine zweite „Zweck“sonnenbrille gebraucht. Schließlich kommt die Mode der Sonnenbrille nicht nur von ihrer Form, sondern von der Art, wie und wo man sie trägt.
Diese Mode führte in den 80er Jahren zum Revival des Brillenkettchens, heute auch für randlose Brillen und Gleitsichtbrille.